Moritz Thienelts „Echte Kroatzbeere“ – eine schlesische Edelspirituose erobert die Welt

Thienelt, Moritz, * 25. September 1877 in Schlegel/Słupiec.

Thienelt, Moritz, * 16. Mai 1903 in München.

Tienelt, Arno Moritz, * 14. Mai 1935 in Schlegel/Słupiec, Desitillateur.

Kroatzbeere ist das schlesische Wort für Wald-/Brombeere (lat. Rubus fructicosus), weil sie an kratzigen Stielen wächst.

Der Geburtsort des edlen Spirituose „Echte Kroatzbeere“ liegt in Schlegel/Słupiec in der Grafschaft Glatz/Kotlina Kłodzka. Sein Geburtsjahr ist 1907, als der Destillateurmeister Moritz Thienelt durch ein besonderes Destillationsverfahren seine „Echte Kroatzbeere“ aus dem Saft wilder Waldbrombeeren kreierte und den Gästen in seiner Einkehrgaststätte servierte.

Die Wälder der Grafschaft Glatz waren der Lieferant der wilden Brombeere, die praktisch vor der Haustür wuchs. Es gelang ihm nach mehreren Versuchen, eine Mixtur aus Brombeeren, feinstem Alkohol und bestimmten Ingredienzen herzustellen. Das Rezept ist ein streng gehütetes Geheimnis der Thienelts. Die Ingredienzen sind es, die „all das ausmachen, was das Besondere an der „Echten Kroatzbeere“ auch heute noch ist, eine Likör-Spezialität, in der alle Feinheiten der wilden Brombeere eingefangen wurden und die seitdem ihren Siegeszug um den Globus antrat“.

Moritz Thienelt hatte vor, seine „Echte Kroatzbeere“ nur in seiner Einkehrgaststätte in Schlegel zu servieren, aber die Nachfrage und die Anzahl der Besucher stiegen sehr schnell. Der Ruf der „Echten Kroatzbeere“ ging über die Grenzen der Grafschaft Glatz hinaus, eroberte Schlesien und gelang als schlesische Spezialität auf den gesamten deutschen Markt.

Mit der Popularität der „Echten Kroatzbeere“ entwickelte sich aus der einstigen Destillation eine Fabrik, die auch Arbeitsplätze schuf: die Feinschnapsfabrik „Zur echten Kroatzbeere“, die auch der Einkehrgaststätte ihren Namen gab. Neben der „Echten Kroatzbeere“ entwickelte Moritz Thienelt noch andere Likörspezialitäten, wie den Herrenlikör „Schüttboden“ und den Feinbitter-Likör „Rabenvater“.

Der Renner blieb jedoch die Echte Kroatzbeere, die Moritz Thienelt in eine bauchige gesetzlich geschützte Spezialflasche – Kroatzbeerflasche – füllte. Diese ist noch heute das Markenzeichen für die edle Spirituose.

Die schlesische „Echte Kroatzbeere“ aus Schlegel trat bald die Reise in alle europäischen Länder an und nach Übersee, Australien, Kanada und in die USA.

Nach dem Tod von Moritz Thienelt, dem Gründer der Feinschnapsfabrik zur Echten Kroatzbeere Moritz Thienelt KG übernahm sein Sohn Moritz Thienelt sein Lebenswerk. Er führte die Tradition weiter, bis zum Einmarsch der Roten Armee, als die Thienelts Schlegel verlassen mussten.

Nach der Enteignung 1945 und Ausweisung blieb der gesamte Besitz zurück. Die Rezepte und der Name Thienelt verließen die Grafschaft Glatz und traten die Reise in die neue Heimat an. Thienelt selbst riskierte bald den Neuanfang und der begann in Düsseldorf-Heerdt. 1949 endete die Odyssee der Likörspezialität „Echte Kroatzbeere“. Die Fabrik expandierte und als sie ihre Kapazitätsgrenzen erreichte, zog das Unternehmen nach Kaarst-Holzbüttgen. Hier wurde auch das Sortiment erweitert („Kuss mit Liebe“, „Kuss mit Feuer“, „Kräuterfee“) und die schlesische „Echte Kroatzbeere“ wurde erneut bald zu einer internationalen Spirituose.

Für sein Engagement um das Wohl der Allgemeinheit und die Belange der Vertriebenen wurde Moritz Thienelt sen. mit dem Großen Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Nachdem sich Moritz Thienelt sen. vom Unternehmen zurückgezogen hatte, übernahm sein Sohn Arno-Moritz Thienelt die Geschäftsleitung.

Inzwischen stellte das Traditionsunternehmen Moritz Thienelt Likörfabrik Echte Kroatzbeere GmbH & Co.aus ökonomischen Gründen die Produktion in Kaarst-Holzbüttgen ein. Alle Rechte, Namen und Marken sind an die Firma Franz Wilhelm Langguth Erben GmbH in Traben-Trarbach/Rheinland-Pfalz verkauft worden. So lebt die „Echte Kroatzbeere“ weiter.


[1] Der Abdruck der Bilder  erfolgt mit freundlicher Genehmigung von  Arno-Moritz Thienelt jun.