Norbert Pietsch berichtet über seinen Kurzaufenthalt in Schlegel während der Kriegswirren:

Lieber Horst, ich danke Dir herzlich, daß ich an Eurem Treffen teilnehmen konnte. Schlegel war für meine Mutter, die Großeltern und meinen Bruder ein Zwischenaufenthalt in den strengen Wintermonaten Januar/Februar des Jahres 1945. Um der sich nahenden Front zu entgehen, begaben wir uns über das „Protektorat Tschechien“ nach Bensen am Bolzen Krs. Aussig, wo wir das Kriegsende erlebten.- Euer Ort Schlegel beherbergte unsere Familie mit Gastlichkeit und Hilfe. So prägten sich mir Namen wie der Kfz-Betrieb Schmidt, Pfarrer Faber, Bäcker Haugk und nicht zuletzt die Seniorin des Hauses Pilati ein, derer damals schon verstorbener Gatte Kommandeur meines Großvaters bei den Breslauer Kürassieren war. Ihnen allen hat unsere Familie zu ihren Lebzeiten ein gutes Andenken bewahrt. (Das erwähnte ich in meinem mdl. Beitrag.) Nach Jahren der Aussiedlung des größten Teils der Bevölkerung – nur Bergarbeiter durften als Arbeitskräfte bleiben – besuchte ich mit Freunden den Ort, erkannte die Stätten mit ihren neuen Besitzern wieder und sah die verwüstete Schloßruine. Einheimische Polen empfahlen als Unterkunft das Haus auf der Heuscheuer, wo die Besitzerin „eine Deutsche“ (Frau Zawada) sei. Dank der Beherrschung der polnischen Sprache – ich habe in Potsdam 5 Jahre Slavistik studiert – eröffneten sich mir manche deutsche Spuren selbst in Breslau, meiner Heimatstadt. Als Kind erlebte ich in Ostfriesland den Besuch des Glatzer Großdekans Monse bei seinen Landsleuten. Jetzt erleben wir friedliche und mit Polen gutnachbarliche Zeiten, die u.a. eingeleitet wurden vom Wort der polnischen Bischöfe „Wir verzeihen und bitten um Vergebung“, so am Denkmal für den Breslauer Bischof Kominek an der Kirche Maria auf dem Sande. In Görlitz ist seit ca.12 Jahren das Schlesische Museum, zu welchem ich durch meine Tochter Dr. Martina Pietsch familiäre Beziehungen habe und das ich zum Besuch empfehle. Ich bin dem Schicksal dankbar, daß sich damit die „Tradition“ meiner Eltern als Angestellte des Diözesanmuseums zu Breslau nunmehr im “ gehobenem“ Niveau in Görlitz fortsetzt. Ich wünsche Dir, lieber Horst, in Deiner Arbeit als Vorsitzender gute Erfolge, aber auch Gesundheit und schöne Erlebnisse in der Heimat und auch anderswo. Herzliche Grüße und herzlichen Dank. Norbert Pietsch